Der Gepard

Gestern abend hatten Dolla und Gite ihre Gelbgurt- und Mikhael seine Grüngurt-Prüfung in Karate. Wir sind mit „großer Delegation“ mitgefahren und Maxie und ich haben Fotos gemacht. Erstaunlich, wie viele Menschen in Kirkwood und Umgebung Karate betreiben! Und es waren vom Vorschüler bis zum gestandenen Erwachsenen alle Ausbildungsstufen dabei. Ich habe selbst zwei Jahre Karate gemacht, und gerade der Shotokan-Stil ist weltweit ziemlich gleich. Hab‘ mich daher gleich wieder eingefunden, zumal auch hier die japanischen Begriffe verwendet werden. Und so konnte ich Lolly und Maxie eine kleine Einführung über Karate geben, weil man als Laie wirklich nicht viel versteht. Allerdings war es ziemlich langwierig, denn die Erwachsenen kamen erst nach den Kindern dran, und die Gelbgurtprüfungen erst zum Schluss. So haben wir über vier Stunden dort verbracht. Aber alle drei habe ihre Prüfungen geschafft!

Heute abend wird es endlich ein braai geben! Denn nein, in Südafrika grillt man nicht einfach oder hat ein barbeque – nein, man macht ein braai. Gegrillt wird dabei auch, aber genauso wichtig sind kühle Getränke und gute Gespräche. Wir hatten zwar schon häufiger Grillfleisch, aber ein braai findet immer draußen statt. Jede Haus hat seinen braai (Kamingrill) im Hof oder Garten (sogar mein Volunteerhaus!), manche haben sogar einen IM Haus, damit man gegebenenfalls auch im Winter ein braai haben kann. 😉

Was wir unseren Gästen über den Gepard erzählen können:

schnellstes Landsäugetier, von 0 bis 90 km/h in unter 3 Sekunden, „Spitze“ 110-120 km/h

aber die Spitzengeschwindigkeit kann nur ca. 400m aufrecht erhalten werden

der Gepard muss also recht nahe an seine Beute heran und die Entfernung bis zum „kill“ gut abschätzen

egal, ob die Katze eine Beute erwischt hat oder nicht, muss sie nach den ca. 400m rasten und „herunterfahren“, weil sie sonst an Überhitzung sterben würde!

dieses Herunterfahren = Abkühlen und zu Atem kommen, dauert etwa 20 Minuten

falls die Katze eine Beute erlegt hat, kommen in diesen 20 Minuten Hyänen, Löwen oder sogar Leoparden und nehmen ihr die Beute weg – und ggf. landet der Gepard selbst auf der Speisekarte!

Der Gepard ist ein Tagjäger. Aufgrund der Überhitzungsgefahr jagt er aber am liebsten am Morgen und am Abend.

Gepardinnen sind alleinerziehende Mütter, generell leben Geparden solitär. Höchstens die Jungen eines Wurfs bleiben vielleicht noch einige Zeit zusammen, sobald sie sich von der Mutter abgenabelt haben, aber später gehen auch sie getrennte Wege.

Man sagt hier, nur etwa einer von fünf Beutezügen ist erfolgreich. Daran sieht man, welche Kraftanstrengung die Jagd für einen Gepard bedeutet (vor allem für eine Mutter, die Junge zu versorgen hat!), und dass diese Art zu jagen ziemlich uneffektiv ist!

Und das ist mit ein Grund, warum sie so selten geworden sind. Der Gepard ist ein Sprinter, kein Kämpfer. Er ist nicht kräftig genug, um sich gegen andere Beutegreifer zu behaupten. Gerade Gepardenjunge sind auch ein „Snack“ für Hyänen. Von einem Wurf Geparden mit etwa 4-5 Jungen erreicht vielleicht nur 1 bis max. 2 das zweite Lebensjahr, und kann damit in die Welt hinausziehen.

Auf den Schattendächern unser Geparden liegt häufig Kot. Das sind Reviermarkierungen! Auch im Freiland legen Geparden Kratz-, Urin- und Kotmarken an strategisch wichtige Stellen, beispielsweise ihre „Spielbäume“ (Aussichtspunkte).

Sie können nicht klettern (nur die Jungen turnen manchmal auf den Spielbäumen herum) und auch nur bescheiden hoch springen. Daher müssen unsere Gehege nicht überdacht werden. Wir haben zwar Elektrozaun, aber der war in „meiner“ Zeit noch nie an. Denn wenn ein Gepard einmal Erfahrung mit dem Strom gemacht hat, respektiert er die Grenze – sogar unsere halbwilden Zuchtgeparden.

Das südafrikanische Tierschutzgesetz (wie auch das deutsche) schreibt vor, dass keine lebenden Wirbeltiere verfüttert werden dürfen. Deswegen gibt es bei uns auch nur tote Hühner oder anderes Fleisch. Gepardenjunge, die zur Auswilderung vorgesehen sind, kommen nach der „Milchphase“ daher in eine andere Station, die ganz gezielt diese Tiere auf die Auswilderung vorbereitet, damit die Katzen an die Jagd auf lebende Beute gewöhnt werden. Von solchen Auswilderungsstationen gibt es nur sehr wenige im südlichen Afrika. Wenn ich es recht verstanden habe, eine in Südafrika und zwei in Namibia.

Man sagt, es gibt in Südafrika noch etwa 1.000 Geparden. Weltweit etwa 10-12.000, Tendenz sinkend. Der asiatische Gepard steht mit ein paar hundert Exemplaren vor der Ausrottung.

Die uneffektive Jagdtechnik und der verhältnismäßig enge Genpool, dazu die zersplitternden Populationen lassen die Bestände schrumpfen und so dient jedes Zuchtprojekt dem Erhalt dieser wunderschönen Katzen.

Der ganze Körper ist auf diese Sprinttechnik ausgelegt. Die Krallen sind nicht einziehbar und abgestumpft, um mehr „grip“ zu geben, eher wie Spikes. Die einzig scharfe Krallen sind die „Daumenkrallen“, damit können sie die Beute festhalten und „öffnen“. Der gesamte Körper ist aerodynamisch. Auf einen kleinen Kopf folgt ein großer Brustkorb mit einem „Sportlerherz“, das eine Menge Blut pumpen kann. Selbst der lange Schwanz hat eine Funktion als „Steuerruder“, womit der Gepard in der Lage ist, 90°-Wendungen zu machen ohne merklich an Geschwindigkeit zu verlieren. Selbst die schwarzen „Tränenstreifen“ haben ihren Sinn, denn sie sind ein Reflektionsschutz gegen das Sonnenlicht. Ähnlich wie American Football-Spieler ihre „Kriegsbemalung“ auftragen. Denn auch die dient der besseren Sicht, nicht dem Abschrecken des Gegners. 😉

Ein handaufgezogener zahmer Gepard wird niemals mehr „wild“, sondern bleibt zahm sein ganzes Leben, eher wie ein Hund. Daher hatten beispielsweise die alten Ägypter Geparden als Jagdgefährten. Der Gepard bringt die Beute dann sogar zum Menschen! Selbst unsere Junggepardin Gia lässt ihr Huhn liegen und kommt schnurrend ans Gitter, sobald wir uns ihr nähern. Natürlich behalten sie ihre Instinkte, wie unsere Hauskatzen auch. So sind auch die zahmen Geparde durchaus interessiert an unseren Ziegen, dem Esel oder sich schnell bewegenden Kleinkindern oder Objekten. Ein zahmer Gepard kann niemals ausgewildert werden, selbst wenn er jagen gelernt hätte. Denn er würde immer freundlich auf Menschen zugehen – und das wäre sein Todesurteil!

Während der Gepard also zahm bleibt, werden die anderen Großkatzen irgendwann „wild“. Leider weiß man nie, wann sich der Schalter umlegt, das kann in Sekundenbruchteilen sein. Daher würden hier auf der Farm niemals Besucher zu unseren jugendlichen Leoparden oder Löwen gelassen werden. Und selbst Maxie und Jaco müssen sich darauf einstellen, dass nächstes Jahr der „hands on“-Kontakt zu diesen Katzen vorbei sein wird. Sie werden zwar weiterhin freundlich zu Menschen sein, aber sie sind einfach körperlich zu stark. Hier würden auch nie „lion walks“ angeboten werden. Ich weiß, dass es solche Spaziergänge mit Löwen in verschiedenen Stationen gibt. Da gehen aber mindestens zwei Guides mit geladenen und entsicherten Gewehren mit! Ist es das wirklich wert? Denn im Zweifel wird das Tier erschossen, auch wenn der Mensch schuld hat. 😦

Geparden sind übrigens die einzigen Großkatzen, die schnurren! Alle anderen „schnauben“ zur Begrüßung und als Wohlfühllaut. Geparden brüllen auch nicht, sondern haben einen eigentümlich sanften Ruf. Und sie sind sehr „leise“, der Ruf gilt höchstens den Jungen oder einem Partner. Die frühe Wissenschaft hat übrigens den Gepard aufgrund seiner vielen „Hunde“-Eigenschaften (wie die Krallen und die Zahmheit) bei den Caniden (Hundeartigen) eingeordnet. Heute sieht man ihn eindeutig als Katze – aber weil er so speziell ist, bildet er eine eigene Art innerhalb der Felidae.

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