Gepardenhaltung und -zucht

Auf Facebook fand ein Betrachter meines Fotos zusammen mit Ola das „Gepardenstreicheln“ als „fragwürdig“ (dieses Wort beinhaltet ja heutzutage eine eine negative Einstellung). Dazu habe ich geantwortet:

Die Gepardin ist zahm, eine Handaufzucht. Wenn Geparden einmal zahm sind, bleiben sie das auch. Ola liebt es gestreichelt zu werden! Du müsstest sie hören, wenn wir mit Besuchern zu ihr gehen – sie schnurrt wie ein Dieselmotor. Jeder Gast muss sich zu Beginn der Führung Schuhe und Hände desinfizieren lassen. Obwohl alle Katzen geimpft sind, vermeiden wir so Krankheitsübertragungen. Es gibt klare Verhaltensregeln und unsere Besucher halten sich daran! Wenn nicht, „fliegen sie raus“, da sind wir gnadenlos! Die Tiere haben immer Vorrang!

Ola hat jederzeit die Möglichkeit zu gehen! Tut sie aber nicht, weil sie das Streicheln wirklich genießt. Bitte verurteile das nicht pauschal, hier stimmen die Bedingungen! Sollte Ola mal einen schlechten Tag und keine Lust haben (was während meines Aufenthalts noch nicht vorgekommen ist), gehen wir nicht rein. Ganz einfach. Und unsere Gäste müssen das auch akzeptieren, u.a. dafür muss jeder einen Haftungsausschluss unterschreiben.

Damit du siehst, wie ernst wir das nehmen: heute war eine Familie mit ihrer kleinen Tochter da, vielleicht etwa zwei-drei Jahre alt. Das Kind musste die ganze Zeit auf dem Arm bleiben, darauf habe ich bestanden! Und als es anfing, auf Papas Arm zu weinen (die Kleine wollte zu ihrer Mama, die aber gerade Ola streichelte), musste ich ihn aus dem Gehege schicken. Ola kennt Kinder (der Hausherr hat schließlich auch welche), aber sie guckte das Kind an. Und das wollen wir nicht! Ola würde dem Kind nichts tun, aber wenn sie aufstehen und hingehen würde, wäre das für viele Besucher unangenehm, vor allem für die Eltern. Nein, nein, solche Situationen lassen wir gar nicht zu! Die Gäste dürfen Ola auch nicht am Bauch kitzeln. Sie tut zwar nichts, aber sie schiebt mit einer Pfote die Hand weg. Und auch das könnte einen Gast erschrecken, es ist nun mal ein Gepard und keine kleine Miezekatze! Safety first!!!!

Gerne darfst du kommen und so eine Tour mitmachen. Wir haben hier nichts zu verbergen: unsere Tiere werden weder betäubt noch irgendwie gefügig gemacht! Es gibt auch Gäste, die lieber draußen vor dem Gehege bleiben. Und Besucher, die mitkommen, aber nicht streicheln wollen. Alles o.k.! Keiner muss, jeder darf. Wenn große Gruppen kommen (Busse), teilen wir die auf, damit es nicht zuviel auf einmal wird. Natürlich erzählen wir bei dieser Gelegenheit auch viel über Geparden, weil wir an Ola beispielsweise die Krallen, die stromlinienförmige Figur und die „Schwanzsteuerung“ zeigen können.

Zur Zahmheit: Es ist nunmal so, dass viele Gepardenkinder Waisen werden, weil die Farmer immer noch viele Geparden abknallen (angeblich reißen sie Nutztiere). Häufig sind es Weibchen, die Junge führen, denn die greifen am ehesten auf Ziegen zurück, weil sie ihre Jungen satt kriegen müssen. Früher wären diese Waisen gestorben, heute geben die Farmer sie wenigstens bei Auffangstationen ab. Da Gepardinnen keine fremden Jungen annehmen, muss man sie handaufziehen oder sterben lassen. Und während ein Leopard zwar handaufgezogen werden kann, sich aber spätestens mit 1,5 Jahren zu einer wilden Katze entwickelt, wird der Gepard zahm und bleibt es sein Leben lang. Es ist so, warum auch immer! Sie verhalten sich eher wie Hunde, wurden sogar von der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts zu den Caniden gezählt (u.a. wegen der nicht einziehbaren Krallen). Daher wurden unter nderem im alten Ägypten Geparde als Jagd“hunde“ gehalten. Die Katzen brachten die Beute zum Menschen und haben dafür eine Belohnung und Streicheleinheiten erhalten.

Auf der Daniell Farm füttern wir aber z.B. nicht aus der Hand. Wir werfen die (toten!) Hühner in die Gehege, die Geparden rennen los, holen sich ein Huhn und verzehren es dann ohne menschliche Einwirkung.

Unsere Gäste werden NICHT damit gelockt, dass sie einen Geparden streicheln können. Wenn jemand seine Fotos postet, ist das jedem unbenommen. Aber wir bieten nicht „Touren mit Gepardenstreicheln“ an, sondern lediglich Führungen. Bislang waren alle „meine“ Gäste überrascht, dass sie diese Möglichkeit haben.

Nur beim Cheetah-Walk ist das was anderes. Da buchen die Leute ja einen Spaziergang. Aber auch diesen Walk bestimmen letztlich die Katzen! Wenn sie nicht weit gehen mögen, dann eben nicht. Dann setzt man sich mit ihnen ins Gras und fährt eben nach einer gewissen Zeit wieder zur Farm zurück.

Und natürlich muss man sehen, dass unsere zahmen Katzen ihre wilden Gefährten in gewisser Weise „sponsorn“. Denn ein Cheetah-Auffang-, Zucht- und Auswilderungsprogramm trägt sich nicht aus der Portokasse, sondern kostet richtig Kohle! Trotzdem kann sich unsere Touren wirklich jeder leisten (umgerechnet weniger als fünf Euro), denn wir wollen über die Katzen informieren und die Menschen für ihren Schutz sensibilisieren. Letztlich werden die Katzen aus dem Gewinn der Farm und des Shop mitfinanziert. Hier werden Schafe und Ziegen im großen Stil auf riesigen Weideflächen gehalten, deren Fleisch und Wolle vermarktet wird.

Wissenschaftlich gesehen befindet sich der Gepard aufgrund seiner uneffizienten Jagdtechnik in einer „evolutionären Sackgasse“. Er ist zwar ein perfekter Sprinter mit „Sportlerherz“ und stromlinienförmigen Körper, aber nur jeder fünfte seiner Jagdzüge ist erfolgreich. Denn nach einem Sprint muss sich die Katze erstmal etwa 20 Minuten ausruhen um wieder zu Atem zu kommen. Und in dieser Zeit kommen die Hyänen, Leoparden oder Löwen und nehmen ihr den „kill“ weg (wenn sie denn überhaupt etwas erlegt hat). Oder sie landet selbst auf deren Speisezettel! Denn dieser Hochleistungssportler ist kräftemäßig den anderen Beutegreifern deutlich unterlegen. Manche Biologen sagen, dass der Gepard aus diesem Grund und aufgrund der geringen genetischen Vielfalt (weil es nur noch so wenige gibt und sie in voneinander isolierten Populationen leben) daher über kurz oder lang aussterben wird. Man könnte auch sagen: der Gepard ist einfach zu gut für diese Welt… 😦 Aber möchten wir diese schöne Katze wirklich verlieren?

Nur 4 der hier lebenden 13 Geparden sind zahm. Die anderen sehen uns nur zum Füttern. Denn sie sollen auch ihre Jungen ohne Menschenkontakt aufziehen! Sonst könnte man sie nämlich nicht auswildern… Im Gegensatz zu anderen Katzen übrigens. Servale, Schwarzfußkatzen und andere müssen den Menschenkontakt einigermaßen gewöhnt sein, sonst züchten sie aufgrund Stress in Gefangenschaft gar nicht nach oder fressen ihre Jungen!

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Ein Gedanke zu “Gepardenhaltung und -zucht

  1. …nein ! ich bin kein moralapostel !!! 😉 ich finde geparden wunderschön, und geht es ihnen gut, wüsste ich nicht was dagegen spricht sie zu halten- vor allem wenn man sich schon vorher mit dem thema / dem tier beschäftigt hat und sich an alle regeln der sicherheit hält und zum wohle des tieres alles so einrichtet, dass es dem tier /tieren gut geht. alle daumen die ich habe hoch !!!
    liebe grüsse
    waldemar slotta

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