Selbst wenn nichts geschieht, geschieht so viel… ;-)

Ja wie soll ich denn nur anfangen, die zweieinhalb Tage waren so ereignisreich!
In meinem Notizbuch habe ich gewissermaßen Tagebuch geschrieben, damit ich die wichtigen Sachen nicht vergesse, aber ich kann das natürlich nicht alles in den PC übertragen, dazu ist es jetzt schon zu viel. Und manches eignet sich auch nicht für die Allgemeinheit, weil man die Umstände hier dazu kennen muss, das erschließt sich erst, wenn man in den Alltag eingebunden ist. Denn jedes Paradies hat auch Schattenseiten. Das meine ich gar nicht abwertend, aber hier wird Alltag gelebt und kein „Ponyhof“!
Zum Beispiel haben wir über Nacht eins der Zicklein verloren. Es war gestern schon schwächer als die anderen, hat sich beim Trinken hingelegt (was nicht normal ist, denn wenn sie in gutem Zustand sind, stehen und „boxen“ sie und das Schwänzchen wedelt eifrig). Heute morgen haben wir eins vermisst, und es lag tot in der Schutzhütte. Heute Mittag ist mir eins aufgefallen, das schwach auf der Hinterhand ist und sich schwer tut beim Aufstehen. Heute Abend hat es besser getrunken, aber ganz o.k. ist es nicht. Man bekommt zwar nie alle durch, aber schade wäre es schon – und auch ein materieller Verlust. Schließlich leben die Leute hier von den Nutztieren! Und man entwickelt natürlich auch Bindung zu den Tieren, die man handaufzieht…

Dass ich noch zu „deutsch“ bin, merke ich daran, dass ich die Mußestunden, die es gibt (!), noch nicht schätzen kann. Heute Vormittag gab es z.B. nur eine Tour. Für Jaco war dies erholsam, denn sonst ist er ja den ganzen Tag auf den Beinen. Ich hingegen fühlte mich ein wenig „arbeitslos“. Aber es war prima, weil Jaco mir daher vieles über die Katzen erzählen konnte!
So kamen wir auf das Thema „Unfälle“. Ja, davor ist man nicht gefeit! Wir haben es hier mit wilden Katzen zu tun und nicht mit Stofftieren. Und selbst die zahmen Geparden sind eben Katzen mit ihrem eigenen Kopf und ihren eigenen Instinkten!
So gab es auf der Farm einen Geparden namens „Scar“ (leider ist er an Nierenschwäche gestorben, wie viele Klein- und Hauskatzen auch). Der Name war Programm, denn Jaco hat zwei Narben im Gesicht und ein zerschundenes Bein von ihm! Er wollte ihn füttern, wie immer. Aber der Riegel an einer Zwischentür war gebrochen. Das muss Scar „geahnt“ haben, denn als Jaco den Gang betrat, brach Scar durch die Zwischentür und hat Jaco angegriffen! Er konnte ihn zwar sofort von sich stoßen und hinter die Tür schubsen (Geparde sind Leichtgewichte, da geht das noch…), aber Scar hat trotzdem zugelangt. Ein Riss war direkt neben dem linken Auge, und Jaco hat extremes Glück oder ein gutes Karma gehabt! Erinnert mich an meinen eigenen Unfall mit der zersprungenen Glasflasche, bei dem mir im Alter von 18 Jahren eine Scherbe ein Drittel Nase abschnitten hat – das hätte im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen können…
Ich habe Jaco von dem Unfall der Pflegerin im Kölner Zoo erzählt, die von einem Tigerkater tödlich verletzt wurde. Sie hatte vergessen einen Schieber zu schließen als sie das Innengehege reinigte, und der Tiger war mit ihr im selben Raum. Wahrscheinlich drehte sie dem Kater den Rücken zu – und eine Katze handelt eben instinktiv. Um das Leben der Frau zu retten, musste der Zoodirektor den Kater erschießen. Tragischerweise ist die Pflegerin jedoch unter den Händen des Notarztes verstorben. Und letztlich war es „lediglich“ ein Arbeitsunfall, eine kleine Nachlässigkeit, einmal nur kurz nicht aufgepasst…. :no:
(Pressemeldung)

Deswegen: man darf Katzen nie unterschätzen, und auch die kleineren können böse Schaden machen!
Daher wird beispielsweise für die Löwenkinder ein neues Gehege gebaut, das das jetzige wird nicht mehr lange reichen. Und das großzügige Leopardengehege ist wie in einem modernen Zoo mit Schiebern, abtrennbaren Innengehegen und Zwischengang ausgestattet. Man kann und muss die Leos beim Füttern auch „abschiebern“, denn beim Füttern werden sie hochaggressiv. Feline hat ihrem Bruder bei einem Fight ein Stück Schwanz abgebissen. Seitdem werden die Geschwister beim Füttern konsequent getrennt. Danach sind sie dann wieder „Brüderchen und Schwesterchen“.
Also: immer Respekt bewahren, nicht nachlässig werden, und immer schauen was die Katzen machen!

Hartes Thema, aber es ist ja wichtig, auch für mich. Auch wenn ich das in der Theorie alles weiß, ist das Erleben der ständigen Wachsamkeit doch etwas ganz anderes – und anstrengend!

Damit der Blogbeitrag nicht ganz so bedrückend endet, hier noch etwas zum Schmunzeln – denn heute wurde ich „überfallen“! B)
Als ich nachmittags mal kurz in „mein“ Haus wollte zum Fotos runterladen, haben mich die drei älteren Zicklein überfallen, die sich mit ihrem „Begleitesel“ im Hof aufhielten. Dürfen die das? Hilfe!!! Sie liefen da völlig frei herum, was man als „Beute“ auf einer Raubkatzenfarm tunlichst unterlassen sollte! Und sobald sie meiner ansichtig wurden, kamen sie angerannt! Egal wo ich hinging, die Zicklein folgten mir. „Mäh–Mecker-Milch“! Aber sie durften natürlich nicht mit zum Shop und auch nicht in die Nähe der Raubkatzen. Irgendwann konnte ich mich hinten herum zum Shop schleichen und Jaco informieren. Wir gingen nachsehen und er stellte fest, dass einer der Arbeiter ein Tor offen gelassen und die Tiere die Chance einfach genutzt hatten. Das Gras im Hof ist schließlich viel besser! Mit unseren „kumm mäh“-Lockrufen konnten wir die Ziegen in das kleine Gehege locken und den Esel konnte Jaco ebenfalls in ein Gehege scheuchen… Puhhh! ;D

Und gegen 16 Uhr wurden wir alle noch „überfallen“ von einer 12-köpfigen Bikertruppe aus Österreich! Die Harley-Fahrer kamen mit etlichen Maschinen und Begleitfahrzeug mit Anhänger vor den Shop gerollt – und der Traum von einem früheren Feierabend für Jaco hatte sich in diesem Moment zerschlagen. Denn vor allem die „Sozias“ wollten natürlich unbedingt die Geparden sehen, aber vorher noch einen Kaffee trinken… 😉
Dafür habe ich die Ziegenfütterung dann fast alleine gemacht.

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