Löwen schützen!

Am 15.03.2014 ist wieder „Global March for Lions“. Auch in Frankfurt kann man für die Löwen auf die Straßen gehen!
http://www.cannedlion.org/ Die Demos werden über Facebook organisiert: Global March for Lions Frankfurt und Global March for Lions weltweit
Wer nicht am Gesichtsbuch teilnimmt: in Frankfurt ab 11 Uhr auf dem Börsenplatz!

Hintergrund ist das „canned hunting“ (Gatterjagd), eine besonders widerwärtige Form der Trophäenjagd.

In Südafrika gibt es eine üble Wertschöpfungskette mit Löwen. Da sie sich auch unter widrigsten Bedingungen ziemlich problemlos fortpflanzen, werden sie in Massen gezüchtet. Dann nimmt man sie mit ca. 10 Tagen ihren Müttern weg, um sie handaufzuziehen. Die süßen Kätzchen werden dann vermarktet, in dem Touristen Geld dafür bezahlen, sie knuddeln zu dürfen. Werden sie dazu zu groß, kann man sie noch für „lion walks“ benutzen. Werden sie auch dafür zu groß, werden sie an Jagdfarmen verkauft. :##
Ãœbrigens züchtet man gezielt Hybride, damit die Jungs eine schöne schwarze Mähne auf hellem Grund bekommen… Weil die meisten weltweiten Jagdgäste (zunehmend Russen, Araber und Asiaten – aber natürlich auch Amerikaner und Europäer) ungeübt in Großwild und gefährlichen Tieren sind, verkauft man ihnen ein „Komplettpaket“ mit garantiertem Abschuss und schöner Trophäe. Diese Löwen sind ja Menschen gewöhnt und laufen daher nicht weg und wehren sich nicht. Im Zweifel werden sie noch satt gefüttert oder medikamentös ruhig gestellt. :no:
Dieses Praxis des Jagdtourismus heißt „canned hunting“ oder auf Deutsch Gatterjagd und ist eigentlich illegal. Aber es schert sich niemand darum, da die Jagdfarmer ja Steuern bezahlen und die Gäste stolz mit ihren Trophäen posieren…
Ãœberzählige Löwen werden in private Menagerien bzw. als Haustier in den arabischen Raum oder als „Medizinprodukt“ in den asiatischen Raum verkauft (da man Löwenknochen und -penisse nur durch genetische Untersuchung von Tigern unterscheiden kann).
Dass man auch ohne Trophäenjagd leben kann, zeigen Kenia und Botswana, die die Trophäenjagd auf Großkatzen komplett verboten haben. Lebende Tiere bringen eben auch Geld rein, zumal man sie vielen Menschen zeigen kann! Wenn Südafrika zumindest gegen die illegalen Jagdformen mehr durchgreifen würde, wäre schon viel für die Tiere erreicht. Wenn sich die Züchterei nicht mehr lohnt, besinnt man sich hoffentlich mehr auf den Schutz der gefährdeten Arten.

Unsere Löwenjungs im Daniell Cheetah Project erzählen nämlich genau diese Geschichte, weil sie vor dem Verkauf auf eine Jagdfarm gerettet werden konnten und jetzt als „Botschafter gegen das canned hunting“ unseren Besuchern das ganze widerliche Geschäft nahebringen.

Wenn nämlich nicht mehr soviel Touristen und volunteers Löwenbabies knuddeln wollen und dafür Geld bezahlen, wird sich dieser große Anteil an der Wertschöpfungskette nicht mehr lohnen. Und dann „lohnt“ sich hoffentlich auch die jahrelange Aufzucht für die Trophäenjäger nicht mehr wirklich, denn auch deren Geldbeutel sind endlich.

Deswegen muss auch als Volunteer aufpassen, wo man hilft. Es gibt durchaus Projekte, die nicht nur an Touristen, sondern auch an den Freiwilligen verdienen, die sich um die „süßen Handaufzuchten“ kümmern – und die die Tiere an die Jagdindustrie verkaufen… 😥

Advertisements

Katzen und "meer"

Manchmal sind Katzen doch schwer von Begriff. 😀 Da Jolande und ich Felipe vor drei Tagen mit Felix vergesellschaftet haben, wollten wir gestern tauschen und Felipe wieder zu Feline setzen. Wenn der kleine Mann denn verstanden hätte, was wir von ihm wollten. Natürlich ist so ein Tausch nicht ganz so einfach: wir mussten erstmal Felipe von Felix separieren, was aber sehr einfach war, denn während der Fütterung sind die Katzen eh‘ in ihren „night houses“. Felipe war also eingesperrt und nun sollte Felipe dem Huhn in das rechte Gehege folgen. Dazu sollte er über das Dach des Hauses durch den Zwischengang in das rechte Gehege wechseln. Natürlich hatten wir dort Feline in ihr night house gesperrt und die Zwischentür geschlossen. Nur hat Felipe das Ganze einfach nicht verstanden. Er „grub“ am Gitter, und wollte das Huhn direkt haben. Wir haben ihn gelockt und gerufen, aber es ging nicht. Also haben wir auch ihn ins night house gesperrt und ihn dort gefüttert. Später haben wir es dann wieder probiert. Feline durfte raus, damit sie ihn evt. ruft. Felix durfte auch raus, konnte aber nur seinen Gehegeteil nutzen. Schließlich habe ich ihm die blutige Wanne gezeigt und damit gegen den Boden des Zwischenganges geklopft (die Zwischengänge führen über den Pflegergang). Dann noch das Gewirr mit den verschiedenen Stahlseilen für die Schieber. Zwar sind die Griffe der Zwischengänge rot und klein und die der night houses groß und stahlfarben, aber trotzdem muss man sehr genau aufpasssen, dass man die richtige Strippe erwischt! Und endlich, endlich ist er rüber gegangen und Jolande konnte die Schieber des Zwischenganges schließen. Dann noch die Zwischentüren der beiden Gehege öffnen, und die Sache war getan. Was für eine „schwere Geburt“. 🙂

Vorgestern habe ich bei den Schwarzfußkatzen die Futterspender (Stimulo „puzzle feeder“) ausprobiert. Und, nicht zu fassen: ausgerechnet unser dreibeiniger Footy (sein linkes Vorderbein musste aufgrund der schweren Verletzung durch die Schlagfalle amputiert werden) hat die Aufgabe mit Bravour gelöst! Lediglich in die größten beiden Röhren kam er mit seinem kleinen Pfötchen nicht bis in die letzte Ecke, ansonsten hat er alles geleert. Er frisst sowieso sehr gut, was sicher daran liegt, dass er am wenigsten scheu von allen Schwarzfüßchen ist. Beauty hat leider gar nichts davon angerührt, und auch Blacky, dem wir den Spender am Morgen überlassen haben, hat nur sein Hühnerbein vertilgt. Beauty ist leider eine schlechte Esserin, mit Knochen hat sie es nicht. Aber „Hühnerfilet“ nimmt sie… *seufz*

Gestern abend haben die Falbkatzen einen puzzle feeder bekommen, mal schauen, wie sie damit umgehen.

Nachdem ich mich am Abvendessen beinahe überfressen habe (Danielle kocht für uns volunteers und erhält von Richard dafür etwas extra), waren wir des Nachts nochmal draußen. Als Jolande und ich die Abendrunde gemacht hatten, fiel uns auf, dass wir kein Wasser hatten, um die Wannen und Näpfe zu spülen. Ich war dann später nochmal unterwegs, um die Schieber der separierten Servale und Karakale zu öffnen. Dabei habe ich gesehen, dass Wasser den Teich im linken Leopardengehege überschwemmt hatte und munter in die Landschaft lief. Nach dem Abendessen fiel mir dies wieder ein und ich erzählte Danielle davon. Wir vier (Danielles Freund war ebenfalls da) also die Taschenlampen geschnappt und zu den Katzen. Ja, da hatte jemand offensichtlich die Wasserleitung im Pflegergang offen gelassen. Aber wenn wir schon mal hier waren, wollten wir nach den Schwarzfüßchen sehen. Blacky war tatsächlich einmal „unterwegs“, Beauty war wie immer in ihrem Häuschen und Footy in seinem Lieblings-spekboom am Zaun zu Blackys Gehege. Dann noch ein wenig nach den Servalen geschaut und die Löwen besucht. Von ihnen habe ich ein kleines Video gedreht.

Und ich habe das Kreuz des Südens gesehen, aber das konnte ich mit meiner alten Lumix beim besten Willen nicht fotografieren.

In Jeffries war es übrigens wirklich schön. Lollie und ich hatten ein gutes Frühstück bei „Nina’s“ (wir waren bereits kurz nach 7 Uhr losgefahren), haben meine Aufnahmen der „Fröhlichen Finken“ bei Sharmeine erledigt (außerdem habe ich noch eine CD mit Aufnahmen des Kinderchores mitbekommen, die ich mir kopieren kann), waren kurz am Strand, Lollie hat noch etwas für den Shop besorgt, hat sich die neue Alarmanlage ihrer Wohnung erklären lassen und dann sind wir auch schon wieder zurück gefahren. Die „Selbstmörderbrücke“ zwischen Jeffries und Uitenhage wird übrigens entschärft! Die Regierung baut derzeit eine Art Zaun, so dass niemand mehr springen kann. Aber sie bauen schon fast ein Jahr daran und so wie es nach der Geschwindigkeit der Arbeiten aussieht, dauert es vermutlich nochmal ein Jahr.

Die Falbkatzen haben den Futterspender ebenfalls angenommen und bis auf recht fettiges Stück Fleisch komplett geleert.

Unsere graue Hauskatze sucht ein Nest, sie wird wohl in den nächsten Tage werfen. Die Ärmste schleppt einen ganz schönen Babybauch mit sich herum. 😉

Der erste Tag

Gestern Abend hatten wir ein braai. Die „jungen“ Vögel waren alle ausgeflogen, so dass Lollie, Jolande, zwei Verwandte der Daniell Familie und ich es uns zum sundowner draußen im Hof gemütlich machten. Das Essen wurde dann „klassisch“ im Haus serviert. Jolande ist Vegetarierin, aber sehr unkompliziert sie isst alles, nur ohne Fleisch. Und sie nimmt es mit Humor, dass die Südafrikaner darüber ihre Witze machen.
Unweigerlich kam das Gespräch auch auf Politik und das Leben als „Weißer“. Die zunehmende Kriminalität macht den Menschen große Sorgen, und wirklich jeder kann Geschichten erzählen, entweder weil er selbst überfallen wurde, Opfer von Einbruch und „carjacking“ wurde, oder jemanden kennt, der vergewaltigt wurde. Die Weißen als Rassisten zu bezeichnen, fällt Europäern eher leicht, aber so einfach darf man sich die Sache eben nicht machen. Der schwarze Rassismus nimmt immer mehr zu und ist politisch durchaus unterstützt. Auf meine Frage, was wohl passiert, wenn Nelson Mandela stirbt, meinten Felene, Grant und Lollie übereinstimmend, dass dann Chaos ausbrechen wird. Denn Madiba ist der einzige, der die Menschen Südafrikas (noch) eint…
Und trotz allem leben sie gerne hier und wollen nicht jeden Tag mit dem Gedanken aufstehen, dass ihnen etwas passieren könnte!
Tja, und dann haben die Springboks im Rugby auch noch gegen Neuseeland verloren…

Heute früh regnet es stark und es ist kühl geworden. Zum Glück habe ich eine Regenjacke dabei, aber die Gummistiefel haben beim besten Willen nicht mehr in den Koffer gepasst.

Gestern haben Jolande und ich viel Zeit bei den Katzen verbracht. Nach der Fütterung der Geparde haben wir auch den Schwarzfüßchen und den Falbkatzen kleine Portionen gebracht. Wir haben zwei junge Servalschwestern (Ubuntu und Upendo, oder auch summer und winter genannt), die natürlich herrlich verspielt sind. Am liebsten verstecken sich unter einer Decke und starten dann Scheinangriffe. Diesel ist ebenfalls für jeden Spaß zu haben, ob es eine „Rappelflasche“ oder das Fangen eines Stöckchens ist. Joy wird ebenfalls zutraulicher. Sie pendelt zwar noch am Gitter, aber wenn man ihr genug Zeit zum Ausweichen lässt, wird sie nach und nach immer mutiger. Einmal ist sie zwar geduckt, aber immerhin auf ca. 1 m Entfernung an uns vorbeigelaufen.
Auch Schwarzfüßchen Footy wird immer zutraulicher. Am Freitag hat er abend sogar in der Futterklappe auf sein Hühnchen gewartet! Und er ist oft draußen im Gras, so dass wir ihn den Besuchern zeigen können. Blacky sitzt oft in seiner Röhre. Beauty habe ich noch nicht gesehen, sie war im Häuschen.
Karakalin Lea ist so freundlich wie immer, sie ist so wunderschön. Leo war im großen Gebüsch versteckt. Die Karakale liegen währen der Mittagshitze gerne dort, da es gut Schatten spendet und der Boden dort immer etwas feucht ist.
Auch die Erdmännchen wollen nicht vergessen werden! Sie sind einfach niedlich anzusehen, auch wenn sie echte kleine Raubtiere sind.
Auf der Farm haben wir derzeit nur neun Geparde. In (unserm) Frühjahr hatten die Katzen leider eine Krankheit, die immer noch nicht so recht geklärt ist. Die beiden Kater Teddy und Arthur sind gestorben, obwohl sie nicht so krank erschienen wie mehrere Kätzinnen. So hatten die Kater kein Fieber, die Kätzinnen jedoch sogar bis 43°. Leider kamen die Ergebnisse der Blutproben erst, als die Kater bereits tot waren – und haben noch nicht mal ein eindeutiges Ergebnis gebracht. Man vermutet, sie hatten Katzenschnupfen. Daraufhin wurden alle Katzen geimpft. Maxie erzählte, dass die Geparde davon nicht begeistert waren. Die „wilden“ mussten man „darten“ (also mit dem Impfstoff „schießen“), die zahmen wurden gewissermaßen vorne gekrault und hinten gepiekt. Aber diese rochen den Braten bald und waren misstrauisch, wenn Maxie sie „zu sehr“ knuddelte. 😉
Gia ist weiterhin aufs Kraulen erpicht und drückt sich dazu ans Gitter. Sie verliert gerade ihr Winterfell und man sieht, dass nun auch die Reste des Welpenfells im Nacken verschwinden. So langsam wird sie erwachsen. Zintle und Ihlozi leben weiterhin zusammen. Zazi ist tragend, sie wurde von Ihlozi eigentlich aus Versehen gedeckt (er hat die Gelegenheit genutzt, als er einmal während der Bauarbeiten aus dem Gehege konnte). 😉 Ola schnurrt wie immer, aber sie ist deutlich zu dick!
Wir haben ja nun drei Leoparden. Zu den Geschwistern Felix und Feline ist nun Felipe gekommen. Felipe soll später einmal der Partner von Feline werden. Feline ist in ihrer ersten Rolligkeit – ja, und sie rollt dabei wie eine Hauskatze. 🙂 Sie ruft auch nach einem Partner. Von ihrem Bruder muss sie separiert werden, weil er deutloich Interesse hat und feline sich ihm auch anbietet. Felipe ist mit seinem einen Jahr (er hatte Anfang der Woche Geburtstag) noch zu jung, um zu verstehen… 😉
Er wird abwechselnd zu Felix und Feline gesperrt, so dass alle Katzen einen Spielpartner haben.
Unsere Falbkatzen Louise und Sid sind so schön! Für einen Außenstehenden sehen sie ja wie Hauskatzen aus, deren Vorfahren sie sind, aber für den Kenner sind sie sehr interessant. Ich kenne beide Katzen sogar persönlich, da Sid letztes Jahr bei Marion lebte und Louise bei Mircea. Die beiden leben hier „hinter den Kulissen“, da noch auf eine behördliche Genehmigung gewartet werden und außerdem erst noch ein Gehege entstehen muss. Kater Sid maunzt nachts, und ich liebe sein Rufen, das ich ja bereits aus der Karoo kenne.
Ja, und unsere Löwenjungs. Wie groß Chuck und Norris sind! Inzwischen gehen sie mir bis zu den Rippen und sind kräftig und muskulös. Aber immer noch verspielt wie Katzenkinder! Zu ihnen hinein geht niemand mehr, wir heißen nun mal nicht Kevin Richardson (der „Löwenflüsterer“). Aber durch das Gitter können wir sie trotzdem kraulen und sie lieben es nach wie vor mit mir zu „schwätzen“. Meine Tonlage musste ich natürlich anpassen, sie haben nun deutlich tiefere Stimmen und sie beginnen zu brüllen! Chuck und Norris sind vermutlich Hybriden. Nun, da die Mähne zu wachen beginnt, sieht man, dass vermutlich Berberlöwe in ihnen steckt, also die nordafrikanische Form. In der Jagdindustrie wird natürlich nicht reinblütig gezüchtet, da geht es ja nur ums Geld. Aber unsere Jungs werden einmal prächtige schwarze Mähnen besitzen! Und das wäre natürlich auch für die Trophäenjäger „schön“ gewesen. Zum Glück sind Chuck und Norris diesem Schicksal entkommen!

Gestern habe ich auch gleich meine erste Tour gemacht, mit einem jungen französischen Pärchen. Da ihr Englisch nicht so gut war, habe ich die Erklärungen einfach gehalten und, soweit sie mir einfielen, französische Wörter benutzt. Es war schön, den beiden unser Katzen zu zeigen und mein erstes „tip“ habe ich ebenfalls verdient.
Abgesehen davon gehöre ich nun „dazu“, habe ich doch meine Uniformhemden bekommen. 😀
Bild 002

Löwenkinder erziehen

Hunger01

Montag abend haben unsere knapp sieben Monate alte Löwenkinder das erste Mal Warzenschwein bekommen! Sie wussten gleich, wie sie mit den „Schinken“ umgehen mussten, wie sie häuten und nagen müssen. Ist ja schon eine Umstellung von den bisherigen Hühnern. Ihre Bäuche sahen am Dienstag morgen aus als ob sie Trommeln verschluckt hätten. Maxie sagte, sie sähen ziemlich „schwanger“ aus… 😀

Wie jedes Menschen- muss auch ein Löwenkind lernen, sich zu benehmen. Bislang war ich ja immer mit Maxie oder Jaco im Gehege. Vorgestern war ich dann das erste Mal alleine drin, um die Warzenschweinknochen herauszunehmen. Da merkte ich dann, wie viel Instinkt doch in diesen „Kleinkindern“ steckt. Sie kamen erstmal um mich zu begrüßen und sich an mir zu reiben. Dann begann Chuck mich ein wenig in den Arm zu zwicken. Stop, das geht gar nicht! *Patsch* mit der Handkante auf die Nase und ein scharfes „No, lass das!“ Dann begann Norris an meinen Schuhen zu nagen. Auch das ist nicht erlaubt! *Patsch*, und auch hier eine auf die Nase mit der entsprechenden Ansage. Auch sich an mir aufrichten geht nicht! Und dann sah ich aus dem Augenwinkel, dass sich einer der Brüder in meinen Rücken schlich, während mich der andere von vorne anschaute. Nix da! Sie dürfen es nicht schaffen, einen irgendwie umzuwerfen oder auf den Boden zu drücken. Niemals aus den Augen verlieren! Auch wenn die beiden Jungs noch klein sind: es ist die Jagdstrategie! Ein Löwe aus dem Rudel zeigt sich seelenruhig der Beute, und die anderen versuchen sich von hinten anzuschleichen. Nein, nein, niemals! Natürlich darf man sich jetzt nicht krampfhaft ängstlich an der Wand lang entlang schieben, sondern muss fest auf den Beinen stehen und sich den Respekt verdienen. Ich sagte immer: „Hey, ich sehe dich“ und machte die Löwenkontaktlaute nach (klingt ein bisschen wie „aou“, möglichst tief aus der Kehle). Tja, und so musste ich also ganz aufmerksam durchs Gehege gehen, immer wieder *Patsch* eine auf die Nase und „No!“ Sie haben es dann schon verstanden, dass Reiben o.k. ist, aber alles andere nicht. Sie müssen einfach die Grenzen respektieren und für mich als Pfleger heißt das Konsequenz und nochmal Konsequenz. Nichts durchgehen lassen, niemals! Denn sonst verlieren sie den Respekt… Heute war ich wieder drin, um den anderen Knochen herauszuholen, den ich vorgestern nicht gefunden hatte. Da habe ich ein Stück schwarzen Gummischlauch mitgenommen. Wenn es auf dem Boden lag, haben sich die Löwen verhalten, als ob es eine potentiell gefährliche Schlange sei. Und wenn ich es in der Hand hatte, waren sie vorsichtig. Ich denke, ich werde jetzt täglich reingehen (auch wenn wir nicht mehr täglich füttern), damit die Jungs nicht vergessen, dass ich kein Spielzeug und erst recht keine „Beute“ bin! 😉 Sie sind wirklich liebenswert, ich würde sie gerne so richtig durchknuddeln, aber wenn man ihre Pranken sieht, weiß man, dass das mal stattliche Löwenmänner werden. Irgendwann werden „wir“ dann auch nur noch zu zweit und später darf dann gar niemand mehr reingehen. Und es wird Zeit, dass sie ihr neues Gehege bekommen, weil sie aus dem jetzigen so langsam „rauswachsen“. 😉 Francois, der Bauunternehmer, meinte etwas von insgesamt einem halben Jahr Bauzeit, doch die Männer sind wirklich fix! Aber die Kolonne muss natürlich auch noch andere Baustellen bedienen, so ist beispielsweise der Bagger gestern abgezogen worden.

Francois hat unheimlich Ahnung von Gehegebau! Die „enclosures“ sind in der Bedienung einfach, aber sicher. Und das ist das Gute, weil man sich sehr schnell an die Abläufe gewöhnt. Innen-/Außenriegel an allen Türen,
funktionale Futterklappen, die von der Innenseite von selbst schließen, wenn man den Sperrriegel löst,
Schlösser für die Türen mit genügend (!) Ersatzschlüsseln,
und der Futter-/Zwischengang bei den Leos ist wirklich „Fort Knox“ mit Schiebern!
Die Sperrriegel bestehen aus dicken Schrauben, die entweder in etwas größere Muttern gesteckt werden (also nicht geschraubt, es muss ja auch schnell gehen), oder im Falle der Leos die Futterklappen zusätzlich sichern.
Auch sonst ist alles einfach, aber funktional. Die Handgriffe, an denen wir die Schieber hochziehen, sind einfach aus Röhrenstücken gemacht, die mit Stahlseilen über jeweils zwei Umlenkrollen eine gute Hebelwirkung erzielen. Das merkt man dann, wenn das Stahlseil mal über eine Rolle rüber“springt“. Dann kann man die Futterklappen einfach nicht öffnen und es kann nichts passieren! 😉

Letztlich ist man hier eh‘ „Schließer“, denn man verriegelt ja nicht nur die Gehege, sondern auch die Häuser! Viele Fenster sind vergittert, und die Haustüren sind Doppeltüren mit einer Metall- und einer „schönen“ Tür. Mein Schlafzimmer ist nicht vergittert, weil es auf ein kleines Gehege rausgeht, das derzeit unbewohnt ist. Aber welcher Dieb würde schon freiwillig in ein Raubtiergehege gehen, wenn er nicht weiß wer dort wohnt… 😀

Kennt sich einer meiner Leser mit dem südlichen Sternenhimmel aus? Ich sehe nämlich in der Nacht das Sternbild ORION! Kann das sein? Leider kenne ich ansonsten nur noch den Großen Wagen, und ich bin mir nicht sicher, ob ich den gesehen habe.

Für gestern war ein Gewittersturm angesagt! Daher haben die Bauarbeiter und auch die „eigenen“ Überstunden geschoben, um so viel in unseren neuen Gehegeanlagen (Karakale und Löwen) fertig zu bekommen. Am zukünftigen Löwengehege wurde heute eine Reihe „Elefantenpflanzen“ gesetzt, und Jaco, Richard, Maxie und zeitweise auch ich haben mitgeholfen. Die Elefantenpflanze ist etwas Besonderes! Sie sieht ein wenig aus wie unsere „Geldbäume“, also eine Sukkulente, hat aber kleinere Blätter und bildet große Sträucher. Die Blätter kann man (täglich vier Stück) essen, wenn man zuckerkrank ist, sie haben eine regulierende Wirkung auf die Bauchspeicheldrüse. Frauen können sie auch bei Menstruationsbeschwerden essen. Und sie ist Ersatznahrung, wenn man in der Wildnis keine Nahrung oder Flüssigkeit mehr hat! Sie enthält Wasser, Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente, und durch ihren säuerlichen Geschmack stillt sie sogar den Durst! Diese Pflanzen sind unglaublich robust. Um eine Hecke zu setzten, wie wir heute, taucht man einfach einen abgesägten Ast in Wasser und Lehm, und gräbt das holzige Stück im Boden ein. Die „Bäumchen“ wachsen wie Weiden extrem schnell an und bilden dann eine dichte Hecke. Natürlich haben wir auch gehofft, dass der erwartete Regen dann auch die Pflanzen besser „einwässert“. Elefantenpflanze heißt sie, weil sie sich vor zu starkem Abweiden schützt! Wenn Elefanten zuviel davon abgefressen haben, bildet der Busch ein leicht giftiges, eklig schmeckendes Sekret, das die Elefanten vom weiteren Fressen abhält! Das Sekret wird solange gebildet, bis sich die Pflanze erholt hat. Erstaunlich, wie „clever“ und vielseitig diese Pflanze ist!

Das mit dem Gewittersturm hat sich erledigt. Nach einem extrem schwülheißen Tag sollte es hier hier ursprünglich wettertechnisch wirklich zur Sache gehen, aber gegen 18 Uhr haben sich die Wolken verzogen.

Die Bräune kommt so langsam! 😉 Anfangs war ich übervorsichtig und habe dreimal täglich UV30 draufgeschmiert. So konnte sich die Haut aber gar nicht an die Sonne gewöhnen. Jetzt schmiere ich je nach Wetter nur noch ein-zweimal und das ist ideal. Trotzdem habe ich mir am Dienstag die Waden verbrannt. Morgens war es wolkig und dann kam ein unangemeldeter Bus, und ich bin ohne Sonnenschutz raus. Fehler! Aber es war nicht soo schlimm. Am Mittwoch hatte ich vorsichtshalber eine lange Hose an, habe die Haut gepflegt und gestern ging es schon wieder mit der Bermuda.

Gestern abend habe ich gesehen, wie einige unserer Arbeiter über mich geredet haben. Aber sie haben Xhosa gesprochen, also wusste ich nicht as sie gesagt haben. Also habe ich heute Eileen gefragt. Sie haben gesagt, ich würde hart arbeiten – und viel mehr als Maxie… 😀 Eigentlich ist ja ihre „feeding week“, aber sie hasst es, früh aufzustehen. Deshalb ist sie so froh, dass ich die Katzen füttere, sie ausschlafen kann und dann nur noch die Lämmer betreuen muss. Aber ich habe ihr schon gesagt, dass sie mir einen Gefallen schuldet. Einen Teil gibt sie mir dadurch zurück, in dem ich Touren für sie übernehmen kann. Ich bin dann zwar mit den Gästen unterwegs, darf aber auch das Trinkgeld einstecken! Die deutschsprachigen Gäste freuen sich über den „Extra-Service“ einer deutschen Tour und geben recht großzügige Trinkgelder (über deren Höhe ich lieber nicht mit Maxie und Jaco rede, um keinen Neid zu schüren) – oder gar keine. Es gibt durchus Leute, die ich auf ein „tip“ hinweisen muss. Zufällig haben sie gerade „kein Geld einstecken“ oder so. Dabei ist es hier wie in allen Touristenregionen so, dass die Guides unter anderem vom Trinkgeld leben. Gestern war eine deutsche Familie da, deren Tochter gerade in Jo-burg (Johannesburg) als Volunteer in einer Wildtierklinik arbeitet. Die haben zwar die Tour mit Maxie gemacht, aber danach haben wir uns unterhalten. Die Tochter ist noch in der Berufsfindung und war daher sehr interessiert an meiner Arbeit. Und sie haben noch sehr viele Infos von mir über das Leben hier bekommen. Anscheinnd haben sie gedacht, das war einfach nur eine nette Unterhaltung. Denn sie wollten dann einfach „so“ gehen. Da musste ich sie auf ein Trinkgeld hinweisen. Fällt mir zwar schwer, aber die haben mir doch reichlich Infos aus dem Kreuz geleiert… 🙂
Gestern hatte ich auch noch ein fränkisches Pärchen zu Gast – aus Erlangen! Das war lustig, habe ich doch acht Jahre in Erlangen gelebt, und konnte nun endlich mal wieder „a wengala frängisch raadschn“!

Ich habe ja immer noch Probleme, die Einheimischen auseinanderzuhalten. Da geht es mir so wie vielen meiner Landsleute, die zum Beispiel die Asiaten nicht in die verschiedenen Völker einsortieren können. Seltsamerweise habe ich damit keine Schwierigkeiten, Han-Chinesen, Vietnamesen und Japaner… meistens erkenne ich, woher sie stammen. Eileen ist übrigens keine Schwarze, sondern eine „Coloured“. Das sind die hier am Kap lebenden „Mischlinge“ aus Europäern, Schwarzen und Asiaten. Einer von Eileens Großvätern war Deutscher! Ich habe den Eindruck, dass die Coloured gewissermaßen zwischen Weißen und Schwarzen stehen. Sie sehen sich selbst als etwas Besseres als die Schwarzen. 😉

Gestern abend habe ich entdeckt, dass aus einem Schlauch Wasser leckt. Die Bauarbeiter hatten einen Abzweig von einer Leitung gelegt, aber anscheinend nicht gut befestigt. Leider habe ich das auch nicht zurechtrücken können. Da sah ich einen unserer Arbeiter, der sich am Tank Trinkwasser holte. Ich bat ihn, das geschwind zu flicken, schließlich verlieren wir dadurch ja eine Menge Leitungswasser. Muss doch nicht sein! Na ja, wie das hier so ist mit dem „geschwind“. Erstens war ja schon Feierabend. Außerdem sagte er, er kümmere sich und ging dann seiner Wege. Später habe ich Richard getroffen und ihm davon erzählt. Er hat dann noch den „Vorarbeiter“ Ace angerufen… aber passiert ist gestern nichts mehr. Heute vormittag haben sie es nun repariert. Weil morgens der Schlauch aber noch leckte, habe ich selber in der Werkstatt nach einem Stück Isolierband oder Panzertape gesucht. Meine Güte, was ein Chaos. Mit dem Aufräumen haben es die Arbeiter hier wirklich nicht. 😉