Die Schwarzfußkatze

Die Schwarzfußkatze (Felis nigripis) ist die kleinste Katze Afrikas! Selbst erwachsene Kater haben höchstens 2 kg Gewicht – und sind etwa so groß wie ein Erdmännchen. Ihr Name kommt von ihren schwarz gefärbten Fußsohlen (Katzen sind Zehengänger, somit reicht der „Fuß“ bis zum Sprunggelenk). Die kleine Katze lebt in trockenen Gegenden, also in der Kalahari und der weniger bekannten Halbwüste „Karoo“. Die Gegend ist karg, es wächst wenig Gras, jedoch Dornbüsche, Kakteen und Dickblattgewächse. Die Schwarzfußkatze schläft tagsüber in alten Termitenhügeln oder Erdferkelbauten und geht nachts auf die Jagd. Sie ernährt sich von Mäusen, Reptilien, Eiern, kleinen Vögeln, Skorpionen oder was sie sonst überwältigen kann. Die Gegend ist karg, es wächst wenig Gras, jedoch Dornbüsche, Kakteen und Dickblattgewächse. Die fleißige Jägerin geht etwa zehnmal pro Nacht auf Beutezug. Dabei legt sie in schnellem Trab lange Strecken zurück, bis zu 16 km pro Nacht sind belegt. Wie die meisten Katzen lebt sie allein, wenn sie als Muttertier nicht gerade Junge führt. Jede Katze nimmt ein großes Revier in Anspruch: Kätzinnen etwa 10 km2, ein erwachsener Kater bis 22 km2, wobei er die Reviere verschiedener Weibchen aufsucht.

Die Art wird als gefährdet eingestuft (vulnerable) und gilt als die seltenste Katze Afrikas. Ihr Bestand, auch im Freiland, nimmt leider beständig ab.

Durch die Klimaveränderungen regnet es in der Karoo immer häufiger und die kleinen Katzen leiden darunter. Zum Einen ist ihr Immunsystem sehr anfällig für Krankheiten (selbst eine einfache Erkältung kann für sie tödlich sein), zum Anderen werden einwandernde anpassungsfähigere Arten (wie der Serval) zum Nahrungskonkurrenten und zur Gefahr. Ein Teil des Klimawandels ist sicher natürlich, denn in der Erdgeschichte gab es schon immer Warm- und Kaltzeiten. Aber wir Menschen haben die Erderwärmung beschleunigt und sind indirekt am Aussterben der Schwarzfußkatze mit schuld.

Ein weiterer Grund für ihre Bedrohung ist die Wilderei. Fallen werden gestellt, um sich etwas zu essen zu fangen oder um „Schädlinge“ (und hier sind Katzen und andere Raubtiere gemeint!) auszurotten – und im Zweifel noch etwas mit dem Verkauf des Tieres oder zumindest des Fells zu verdienen. Die eigentlich verbotene Fallenstellerei ist eine grausame Jagdmethode, denn die Tiere geraten mit dem Fuß in eine Schlagfalle oder dem Hals in eine Schlinge, verdursten, verhungern oder werden vom Wilderer getötet. „gin traps“ (Schlagfallen) sind eigentlich für größere Beutegreifer gedacht und werden mit Fleischködern bestückt. Dieses Fleisch ist auch für die Schwarzfußkatze interessant, gerne „angelt“ sie sich also die vermeintlich leicht zu bekommende Nahrung heraus. Durch die Schlagkraft wird eine Schwarzfußkatzenpfote nicht nur festgehalten, sondern das ganze Bein schwer verletzt. Solche Katzen haben in der Natur keine Überlebenschance, aber in Menschenobhut können auch behinderte oder dreibeinige „Schwarzis“ ein gutes und normales Katzenleben führen. Mittlerweile drei verletzte Schwarzfußkatzen haben ein neues Heim auf der Daniell-Farm gefunden. Sie wurden Wilderern abgenommen, vom Tierarzt operiert, gesund gepflegt und leben nun in schönen weitläufigen Gehegen. Vielleicht gibt es eines Tages Nachwuchs, der in die Freiheit entlassen werden kann.

Schwarzfußkatzen sind sehr schwer zu finden, weil sie auch kleinste Verstecke nutzen. Weil sie sich in der Natur vor größeren Beutegreifern (andere Feliden, Schleichkatzen, Wildcaniden, Mangusten, große Schlangen, Greifvögel…) in Acht nehmen müssen, sind sie besonders aggressiv und wehrhaft. Ob ihres Mutes werden sie Afrika „Ameisen-Tiger“ genannt, weil sie sich tagsüber häufig in alten Termitenbauten verstecken. Angriff ist für sie die beste Verteidigung und sie schrecken auch nicht vor weitaus größeren Gegnern zurück.

Auch in menschlicher Obhut werden sie nicht wirklich „zahm“ und leiden zudem häufig an einer speziellen Nierenerkrankung („Amyloidose“), die durch großen Stress begünstigt wird, so dass sie sehr heikle Pfleglinge sind. Für die Gewöhnung an Menschen muss man daher deutlich mehr Zeit einplanen als bei anderen Katzen, es dauert lange zumindest ein Grundvertrauen zu erreichen. Sie sind so sehr an aride Regionen angepasst, dass sie neben einem Außengehege unbedingt ein klimatisiertes Innengehege mit geringer Luftfeuchtigkeit zur Verfügung haben sollten. Um ihrem starken Bewegungs- und Explorationsdrang gerecht zu werden, müssen die Gehege zudem möglichst natürlich gestaltet werden, eventuell die Möglichkeit zum Lebendbeutefang bieten (alternativ mehrere in Zeitabstand programmierte Futterboxen) und auch groß genug sein, damit die Tiere nachts nicht nur im Kreis laufen müssen. Im Freiland nutzen sie gerne ausgetrocknete Bachbetten als „Rennstrecken“, da diese nicht bewachsen sind. Bietet man ihnen solche Strukturen im Gehege (beispielsweise sandige flache Gräben), nutzen sie diese ebenfalls.

Lediglich in derzeit 23 Institutionen werden Schwarzfußkatzen gehalten. Nur wenigen Zoos ist bislang die Nachzucht gelungen. Ein internationales Team von Forschern, das vom deutschen Biologen Alexander Sliwa (Kurator im Kölner Zoo) geleitet wird und in dem auch der Tierarzt und Direktor des Wuppertaler Zoos Arne Lawrenz mitarbeitet, besendert und beobachtet regelmäßig wilde Schwarzfußkatzen in der Gegend um Kimberley, um mehr über sie zu erfahren, zu ihrem Schutz beizutragen und sie der Nachwelt zu erhalten.

Weitere Informationen:
http://schwarzfusskatze.wild-katze.org/
http://www.cat-research.com

Andrea C. Schäfer ist Tierpsychologin und arbeitet seit 2012, soweit es die Berufstätigkeit in Deutschland zulässt, als freiwillige Mitarbeiterin („volunteer“) in einer Katzenauffang- und –zuchtstation in Südafrika. Im „Spotted-Cats-Conservation“-Projekt auf der Daniell Farm in der Nähe des Addo Elephant National Park können Gäste bei Führungen viel über die wilden Katzen erfahren. http://www.wildcatsworld.org/

Andrea C. Schäfer, Wuppertal
www.wildcatz.de

Erstveröffentlichung „Mitteilungen der Bundesarbeitsgruppe Kleinsäuger e.V. 02/2014