Licht und Schatten auf Honingkrantz …

06.12.12

Heute kamen zwei weiteren Katzen: Serval Arno und eine Falbkatze (Dani) mit „Verstärkung“ – denn sie ist trächtig! Außerdem haben wir zur „Katzenbeschäftigung“ (natürlich „Nur gucken, nicht anfassen!“) drei Hähne und einige Meerschweinchen bekommen. Diese Tiere leben in den Gängen zwischen den Gehegen. Unsere „ersten“ Hühner dürfen seit vorgestern auch schon raus und picken im Hof und ums Haus herum. Seitdem haben wir leider keine Eier mehr gefunden, denn sie legen sie natürlich nun nicht mehr in ihr Nest.

Kater Arno ist glücklich, hat er doch nun ein neues Weib! Aber Nala ziert sich noch … 😉

Gestern abend sind Tom und ich noch lange zusammen gesessen und haben uns gut unterhalten, von Familiengeschichten bis zum Katastrophenschutz in der Schweiz und in Deutschland. Tom hat in seinen 50 Lebensjahren schon vieles erlebt – ich ebenfalls – und so findet man eine Menge Gesprächsstoff. (Mirceas und Jörgs „Kreisläufe“ waren nicht in Ordnung, und sie mussten beide viel schlafen.) Nach dem Fotografieren des Sonnenuntergangs (die Sonne „fällt“ hier tatsächlich regelrecht unter den Horizont!) haben wir zwischendurch mal nach den Sternen gesehen (das Kreuz des Südens ist hier leider nicht gut zu sehen …) und später mit Mircea die Katzen gefüttert. So eine Flutlichtanlage ist schon etwas Schönes, so kann man auch nachts Katzen beobachten. Und Schlangen würde man ebenfalls rechtzeitig bemerken. 😉

Peinlich peinlich: der Löwe ist eine Kuh!
Wir haben abends mehrfach einen Löwen brüllen hören und waren beide begeistert! Vor allem weil es für mich der erste „wilde“ Löwe war! Auch Mircea meinte, es könnte durchaus ein Löwe sein, weil ein Farmer in einiger Entfernung Löwen hält (leider jedoch für „canned hunting“ … 😦 ), denn in dieser Gegend gibt es keine freie Löwenpopulation. Heute morgen musste sie uns jedoch berichtigen, nachdem sie das Brüllen nachts selbst gehört hat: es sind Rinder! Die hiesigen Wiederkäuer hören sich tatsächlich sehr ähnlich an … Gut gebrüllt, Rindvieh! 😀

Alle sagen mir, dass ich voller Energie bin. Aber ich empfinde das nicht als übersteigertes Verhalten. Es ist dieses Land, was erstaunliche Kräfte in mir weckt! Täglich das zu tun, was mir wirklich Freude macht, gibt mir eine „Power“, die ich selbst erstaunlich finde. Denn die letzten Monate vor meiner Abreise musste ich Energie für so vieles aufwenden, das „erforderlich“ war, aber mich regelrecht leer gesaugt hat. Hier fülle ich meine Speicher auf und die „überschüssigen Kräfte“ müssen irgendwie raus … 🙂

Das Futterangebot hat sich erweitert, da wir Straußeneier mit Embryos bekommen haben. Und heute Nachmittag werden wir auch noch bei Farmer Sinclair eine verliehene Tiefkühltruhe abholen, die voll mit verschiedenen Futtermitteln ist, unter anderem einem „springer“ (Springhase), einem Springbock und „blue ball monkey“ (= vervet monkey = Grüne Meerkatze). Da werden wir also diese Woche noch einen Affen schlachten!

Tom und ich hatten ein Riesenglück, denn wir konnten das Liebesspiel und mehrere Paarungen von Nala und Arno beobachten – und ich bin sehr glücklich, dass sowohl meine Fotos als auch mein Film etwas geworden sind! Meine alte Panasonic hat bereits eine Videofunktion, aber es gibt leider nur „Stummfilm“. 😉

09.12.12

Leider sind mir etliche Notizen abhanden gekommen … Ich wollte Blog-Teile in eine Mail kopieren, aber da es heute mit dem Internet nicht klappt, musste ich den Rechner zwischenzeitlich herunterfahren. Offensichtlich habe ich nicht richtig gespeichert, und die letzte Version von vor etwa drei Stunden war auch nicht auf dem USB-Stick gesichert. 😦

Unter anderem habe ich nun eine Episode verloren, die ich auf der Daniell Farm erlebt habe. Weil sie interessant ist und einen weiteren Blick auf das Land wirft, muss ich sie nun nochmal erzählen: eine meiner Touren bestand aus einem Ranger einer exklusiven Lodge, seinen Töchtern und einer deutschen Dame mit ihren beiden Töchtern. Die Dame wollte eigentlich einen cheetah-walk, aber da sie nicht vorgebucht hatte, konnten wir das nicht ermöglichen. Daraufhin war sie ziemlich sauer, denn „lediglich“ eine Tour war ihr „zuwenig“. Leider hat sie vor lauter Ärger meinen Erläuterungen zunächst nicht zugehört, so dass ich vieles mehrfach erzählen musste. Erst der Besuch bei Ola stimmte sie etwas milder, so hatte sie immerhin ihren Geparden zum Anfassen. Ranger Kevin hat meinen Ausführungen ziemlich kritisch zugehört. Karakale und Leoparden nachzuzüchten hält er beispielsweise für grundfalsch, weil er den Standpunkt der Farmer vertritt. Ich habe mich etwas vorsichtig verhalten, denn natürlich muss man auch dieser Ansicht Respekt zollen. Man erreicht nichts, in dem man nur auf den Aspekt des Tierschutzes schaut und auf seine Ansicht pocht – und den Mensch-Tier-Konflikt löst man nicht auf einer solchen Tour! Als ich jedoch anhand unserer Löwenjungs den deutschen Gästen die Praxis des „canned hunting“ erklärte und eine Kurzform auf Englisch wiederholte, ist Kevin der Kragen geplatzt! Nein, das gäbe es doch gar nicht mehr, und es sei illegal! Er wollte sich sogar beim „Management“ beschweren, weil ich Mist erzählen würde! Woher ich meine Informationen hätte! Man merkte deutlich, dass er mich als Deutsche für ahnungslos und dumm hielt, die nur Dinge nachplappert, von denen sie keine Ahnung hat. O.k., um die Situation zu retten und auch die anderen Gäste nicht zu verstören, entgegnete ich: wenn die Gatterjagd illegal sei, müsse dies erst seit kurzem so sein, denn meine letzten Informationen seien noch andere. Und natürlich würde ich mit meinem Boss und den Kollegen sprechen, denn ich wolle meinen Gästen ja nichts Falsches erzählen … Mit einem mulmigen Gefühl beendete ich die Tour. Die Gäste setzten sich auf die Bänke vor dem Shop, um vor der Rückfahrt noch etwas zu essen und zu trinken. Jaco saß in der Nähe. Eigentlich hätte ich gerne ein Päuschen gemacht, aber ich wollte nicht, dass hier womöglich Dinge gesagt oder ausgetauscht werden, die mich belasten, ohne dass ich es mitbekomme. Kevin war inzwischen etwas „runter gefahren“ und wir konnten tatsächlich noch eine gute Unterhaltung führen. Er ruderte von seiner Aussage ziemlich zurück; sagte, dass es tatsächlich noch „canned hunting“ gäbe, dies aber „geächtet“ sei. Wir sprachen allgemein über Jagd, und auch die deutsche Dame konnte etwas beitragen, in dem sie von ihrem Bruder erzählte, der Jäger ist, und wie in Deutschland Hege und Wildmanagement betrieben wird. In dieser Unterhaltung stellte Kevin wohl fest, dass ich nicht eine von diesen Tierrechtsaktivisten bin, die in Südafrika regelrecht verhasst sind. Mein Standpunkt, dass Jagd für mich in Ordnung ist, um etwas auf dem Teller zu haben und Bestände zu regulieren, aber nicht als „Sport“, ist hier hingegen vollkommen akzeptiert. Kevin ergänzte, dass er kein Sportjäger sei und die Trophäenjagd auch nicht möge. Schließlich kamen wir sogar nochmal auf meine Erläuterungen über die Schwarzfußkatze zurück und ich konnte ihm sogar noch einige Fakten mit auf den Weg geben.
Natürlich habe ich Jaco und Maxie nach der Abfahrt der Gruppe nochmal befragt. So weiß ich es nun noch besser: es gab einen Gesetzesvorschlag, die Gatterjagd in Südafrika zu verbieten. Doch dieser hat bis jetzt das Parlament noch nicht passiert, denn die Jagdlobby ist groß und der Jagdtourismus eine lukrative Devisenquelle! Also habe ich eben keinen Mist erzählt …; und ich denke, Kevin wollte mit seinem Wutausbruch lediglich die Reputation Südafrikas als zivilisierte Nation retten. Natürlich ist es nicht „schön“, wenn ein Ausländer etwas kritisiert, worüber es auch im Land geteilte Meinungen gibt. Aber muss man deswegen solche Dinge unterschlagen? Und gerade die Löwenjungs Chuck und Norris erzählen doch eine ganz „persönliche“ Geschichte!

Mircea spricht ab und zu Einladungen zum Tee für Farmerfamilien aus. Dort erläutert sie die Katzen und wie man, gerade auch als Farmer, mit ihnen leben kann! Natürlich muss sie dazu sehr diplomatisch sein, aber wenn dadurch eine Katze weniger erschossen wird, ist ja auch schon etwas erreicht. Auch wenn sie insgeheim (und gegenüber uns oder Kollegen) sagt: „Wer war denn zuerst hier und wer nimmt hier wem den Lebensraum?“

Gestern waren wir bei Marion und Richard zum braai eingeladen. Und da Richard Farmer, professioneller Jäger und Anbieter von Jagdsafaris ist (zum Glück kein „canned hunting“, das lehnt er als unfair und unsportlich ab!), haben wir uns auch über die wilden Katzen unterhalten. Richard „erlaubt“ den Katzen auf seinem Land zu sein, denn er erkennt diese Tiere als Teil der Natur an. Es ist ja tatsächlich so, dass sich Beute und Beutegreifer aufeinander einstellen, beispielsweise jagen Predatoren (das betrifft sowohl die Katzen- als auch die Hundeartigen) bevorzugt kranke und schwache Tiere, so dass sich nur gesunde und kräftige Beutetiere vermehren. Auch wenn es zunächst seltsam erscheint, ergänzt sich also der Jagdtourismus und der Schutz der Katzen auf dieser Farm zum Wohl der Menschen UND der Tiere! Eine interessante Begebenheit betrifft das „Mountain Zebra“, das als „endangered“ gelistet ist. In Richards Gebiet haben sich die Bestände durch strengen Schutz in etwa vier Jahren von 23 bis auf über 70 Exemplare erholt. Leider sind sehr viele Hengste geboren worden, die, wenn sie geschlechtsreif werden, kämpfen, sich gegenseitig verletzen und viel Unruhe in die Gruppen bringen. Es gibt einfach zuwenig Stuten für diese Anzahl Hengste. So erlaubt man nun den reglementierten Abschuss junger Hengste, um die Herde gesund zu erhalten und kontrolliert zu vergrößern. Und da in Afrika nichts „weg“ kommt, haben wir gestern Mountain-Zebra gegessen. Jedes Ding hat also zwei Seiten: man sollte also die Jagd nicht generell verdammen, denn sie kann tatsächlich dem Erhalt und dem Schutz einer Art dienen!

Es war ein schöner Abend, wir haben wunderbar gespeist (unter anderem habe zum ersten Mal Gnu gegessen), uns gut unterhalten und es wurde reichlich spät. 😉 Als Sonntagsgeschenk für Mircea habe ich die komplette Fütterung übernommen, zum Einen war ich eh‘ bereits um 6 Uhr einigermaßen wach, zum Anderen wollte ich speziell die Katzen füttern, die etwas scheuer oder wilder sind. Wir hatten gestern zum Glück Straußenembryos aufgetaut, so konnte ich den Servalen je ein Küken und den kleineren Katzen Kükenteile und ein paar Hühnerhälse geben. Wichtig ist, die Dottersäcke auszuleeren und bestmöglich zu entfernen, unter anderem wegen einem eventuellen Vitamin A-Ãœberschuss. Den Schlachtplatz haben wir in einen Zwischengang verlegt, denn sonst kommt Straußin Winkie und futtert, was sie kriegen kann. Mir war nicht bekannt, dass Strauße fast alles fressen, sogar Fleisch!

Vorgestern hat Winkie ein Bad genommen! Als Tom eine Transportbox reinigte, legte sie sich in den Wasserstrahl und genoss es sichtlich, abgeduscht zu werden. Danach nahm sie ein ausgiebiges Staubbad. Als die Federn nass waren, entdeckte ich einen „tag“ in einem Flügel. Da Winkie aus einer aufgegebenen Straußenfarm stammt, trägt sie, wie in Deutschland beispielsweise Rinder oder Schafe, eine Marke. Und Winkies Nummer entspricht meinem Autokennzeichen, natürlich ohne das Kreiskennzeichen NE. Zufälle gibt’s … 😀

Als wir gestern „im Dorf“ (Cradock) waren, haben wir neben verschiedenen Besorgungen unter anderem den Hausrat unserer maid Regina und unsere „boys“ (den Ehemann von Regina und den „Ex“ ihrer Tochter) abgeholt. So konnten wir „Michalsdal“ („schwarzer Vorort“ von Cradock) sehen. Obwohl die Häuschen recht neu gebaut wurden, sieht man doch wie arm die Schwarzen und Coloureds wohnen. Aber wer ein wenig zu Geld kommt, baut an und verschönert das Häuschen. Aber eher kaufen sie dann ein dickes Auto als Platz für die Familie zu schaffen … Wir waren auch im „Club“, einem typischen Herrenclub, wie man ihn beispielsweise aus England kennt. Als Frau durfte ich nur hinein, weil ich Gast eines Mitglieds, nämlich Jörg, war. 😉 Auch hier habe ich wieder sehr nette Menschen getroffen! Und sogar einen Farmer, der Sidney, den Vater von „meinem“ Richard, gekannt hat! Weil ich mich so gut unterhalten habe, sind Jörg und Tom alleine los, um „staff“ und Trailer abzuholen – aber sie haben mich nach netten Gesprächen und zwei Cidern dann doch wieder aufgesammelt. 😉

Schreck in der Morgenstunde: Schwarzfußkätzin Anja ist krank!
Sie hatte ungefähr 50 Zecken an den Hinterfüßen, die teilweise schon Blut gesaugt haben. Mircea hat sie ins Hausgehege getragen, da sah das Kätzchen mehr tot als lebendig aus. Vielleicht hatte sie sogar das „tic-bite-fever“. Aber eine wilde Katze ohne Beruhigungsmittel genauer zu untersuchen, hätte ihr noch mehr Stress gemacht. So gab es Citronella-Öl auf die Hinterfüße, damit die Zecken hoffentlich loslassen und besser entfernt werden können. Etwas anderes gegen Ektoparasiten hat Mircea nicht im Haus. Starker Parasitenbefall ist immer ein Zeichen eines schwachen Immunsystems und gerade Schwarzfußkatzen sind leider sehr stressempfindlich. Das Klima in Clifton, wo Mirceas Tiere überwintern, ist gerade für die „Trockenkatzen“ (Schwarzfuß- und Falbkatzen) eigentlich zu feucht. Erst recht, weil es seit einigen Jahren im Winter ungewöhnlich viel regnet. Dann kam letzte Woche der Umzug, und auch hier hat es ja leider ungewöhnlich viel geregnet und war kühl und klamm. Das ist gerade für die Schwarzfüßchen schlecht. Aber auch ein paar der Falbkatzen ist nicht ganz gesund, sie schnupfen und sind wahrscheinlich viral belastet. Vielleicht kann ich mit homöopathischen Komplexmitteln helfen, die ich sehr erfolgreich gegen Infektionskrankheiten und zur Stimulation des Immunsystems einsetze. Da werde ich in Deutschland also mal ein Päckchen zusammenstellen. Ich bin auf die Erfahrungswerte bei wilden Katzen gespannt, und sicher ist auch für meine Tierheilpraktikerkollegen interessant, wie wilde Katzen auf die Mittel ansprechen.
Leider ist Anja nach etwa vier Stunden gestorben, obwohl sie eine Weile besser aussah und sogar den Platz gewechselt hat … 😦
Wir sind alle sehr traurig – und Anja liegt nun im Kühlschrank, denn sie hat ja trotz ihres Todes noch einen wissenschaftlichen Wert. Das klingt sehr pietätlos, aber weitere Untersuchungen helfen vielleicht, diese schönen Katzen besser zu pflegen und zu bewahren.

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