Sogar der Himmel weint …

… und ich könnte mitweinen. Ich will hier nicht weg – auch wenn es bestimmt bei Mircea auch erlebnisreich wird.

Um kurz nach 3 Uhr war die Nacht zuende – zumindest zeitweise. Uns wurde gesagt, dass der Gips unseres verunfallten Servals Turbo nicht nass werden darf. Es sah zwar gestern nach Regen aus, aber es kam nichts runter. In der Nacht wachte ich aber auf, weil der Wind sehr seltsam war. Der erste Hahn war für mein Empfinden ein wenig früh dran, aber es war tatsächlich schon ein Hauch von Dämmerung zu sehen. Als ich die Hintertüre aufschloss, meinte ich ein „Fisseln“ zu spüren, also einen ganz leichten Sprühregen. Mist! Also Stirnlampe aufgesetzt und los. Tatsächlich, Turbo saß im Nieselregen. Ich also weiter, zu Richards Haus, wo Turbo die vorige Nacht im Eingangsbereich verbracht hatte. Abgeschlossen, ich kam nicht mal an die Transportbox heran. Also wieder eine Entscheidung gefällt: Turbo zieht zu mir! Nachdem die Erdmännchen ja schon probegewohnt haben, konnte es mit einer Katze nur besser werden. 😉 Zum Glück habe ich gestern gesehen, wie Maxie Turbo getragen hat: eine Hand im Nackengriff, die andere unter das Hinterteil, also wie bei vielen anderen Tieren auch. Zum Glück ist Turbo ja eine Handufzucht und lässt sich gut handeln. Und so habe ich den kleinen Mann durch den nun etwas stärker werdenden Regen bugsiert. Und es war wirklich „Vorsehung“ gewesen. Etwa eine Stunde später wachte ich auf, weil es schüttete wie aus Kübeln! Wir brauchten den Regen dringend, weil wir unter anderem „spekbooms“ in verschiedenen Gehegen gepflanzt haben. Und so verschwenderisch geht man hier mit dem Wasser dann doch nicht um, auch wenn wir ja gut versorgt sind. Jedenfalls habe ich nun eine „etwas“ größere „Hauskatze“. Man glaubt es kaum: Turbo liegt Decken, um sich einzukuscheln und er liebt seinen Teddybär (das Stofftier sieht allerdings eher wie in Hund aus 😀 ! Den wirft er umher und „kaut ihm ein Ohr ab“. Nur das Katzenklo (das er als Handaufzucht gewohnt ist) ist definitiv zu klein für ihn! Hoffentlich schafft er es trotzdem es zu benutzen. (Nachtrag: ja! 🙂 Trotzdem habe ich ein Plastikteil gesucht und gefunden, das ein wenig größer ist.) Zwischenzeitlich weiß ich, dass Turbo sich nicht das Sprunggelenk gebrochen, sondern einen Kreuzbandriss hat (wie wir zuerst dachten)! Da Englisch weder meine noch die Muttersprache meiner Gastgeber ist, mussten wir erst einmal die entsprechenden Wörter für diese Verletzung suchen. Letztlich hilft es nichts: der Gips bleibt erstmal drei Wochen dran. Danach wird nochmal geröngt, der Verband gewechselt und dann sieht man weiter.

Die Kiebitzküken sind leider gestorben. Als Dolla am Mittwoch früh in ihre Box schaute, waren sie beide tot, obwohl sie am Abend vorher noch gut gefressen hatten. 😦

An manche Dinge habe ich mich schnell gewöhnt: immer hinter mir abzuschließen, Autofahren ohne Sicherheitsgurt oder das unkomplizierte Zusammentreffen mit allen möglichen Menschen. An manches gewöhnt man sich als Deutscher wohl nicht, beispielsweise dass es häufig keine Seife, Handtücher oder Klopapier auf öffentlichen Toiletten gibt – weil das sowieso geklaut wird! Selbst hier im Shop müssen die Gäste um Seife bitten, dann geben wir welche heraus – und nach Benutzung müssen sie die Seife zurück bringen, sonst „verdunstet“ sie einfach. Oder der Umgang mit den Arbeitern – wobei die wirklich nichts tun und vor allem nicht mitdenken, wenn man nicht laufend klare Ansagen trifft! Gestern brauchte ich beispielsweise einen Sack Kudu-Pellets, weil der Vorhandene in der Futterküche zur Neige ging. Ich wies einen Arbeiter an, mir den Sack zu bringen. Da es keine Sackkarren gibt, muss er ihn schleppen. Der Mann stellte fest, dass der Sack für ihn allein zu schwer war (obwohl die Leute hier extreme Lasten mit bloßen Händen bewegen). Hätte ich nicht einen anderen Arbeiter abfangen können, der gerade am Lagerhaus vorbeischlenderte, wäre der Sack einfach liegen geblieben … Auch sonst muss man immer hinterher sein, dass sie ihre Arbeit wirklich tun! Heute war pay day, das heißt dass die Arbeiter seit Nachmittag nicht mehr zu sehen sind, weil sie in die Stadt fahren, um Freunde und Familie zu besuchen – und leider viele auch, um „Gras“ und Alkohol zu konsumieren …

Gestern waren wir bei Mikhaels Vorschulabschluss! Es gab verschiedene Reden von Debbie (Vorsitzende des Elternbeirats), der Vorschulleiterin und der Schuldirektorin. Eine Sache kam dabei nicht so gut an, wie ich später erfuhr: Debbie erwähnte den hohen Anteil schwarzer Kinder in der Klasse. Das „kommt“ im heutigen Südafrika wirklich nicht mehr gut, und auch die Afrikaaner (so nennen sich die Weißen mit Afrikaans als Muttersprache) haben peinlich berührt geschwiegen … Die Kinder wurden für ihre Hausaufgaben, verschiedenen Arbeitsgemeinschaften und Sportaktivitäten geehrt (Mikhael in Rechnen, Dressurreiten und Karate. Und sie traten bei der Ãœbergabe der Vorschulabschluss-Urkunden sogar in Talar und Doktorhut auf! Danach gaben die Kinder ein kleines Konzert mit einem Weihnachtslied und zwei hier beliebten Kinderliedern, sie haben sich dazu verkleidet und getanzt. Und zum Schluss kam sogar Father Christmas und hat jedem Kind eine Tüte mit Süßigkeiten geschenkt! Eine sehr schöne Feier und ein würdiger Abschluss der Vorschule. Die Kinder gehen hier zuerst in den Kindergarten, dann ein Jahr zur Vorschule und ab dem 6. oder 7. Jahren in die Grundschule.

Gestern habe ich mit Maxie einen cheetah-walk gemacht. Weil wir vier Gäste hatten, mit beiden Gepardengeschwistern. Mutter und Tochter aus Ungarn und der Leiter eines Guesthouses mit seinem Sohn. Dieser Mann wollte den cheetah-walk „testen“, um die Farm seinen Gästen als Ausflugstip zu empfehlen. Auch wenn Ishlozi und Zintle mehr daran interessiert waren nach Schafen Ausschau zu halten, hat allen Gästen der walk (eigentlich eher ein „sit-in“) sichtlich gefallen. Und heute durfte ich auch nochmal … mit Jaco, Maxie und 4 Gästen. Heute sind sie wirklich weit marschiert! 😉

Heute haben Francois und seine Arbeiter mit dem Erdmännchengehege begonnen. Zunächst wird eine große Grube ausgehoben, bis man auf den wirklich festen Bodengrund stößt (etwa 1,5 m). Danach wird eine Art Wanne gefertigt, die wieder mit lockerem Boden gefüllt wird. Dort dürfen sie dann nach Herzenslust buddeln. Danach wird die Umfriedung befestigt. Aber die Beendigung dieses Projekts werde ich ja leider nicht mehr erleben …

Ob ich mich ab morgen noch regelmäßig melden kann, wird sich weisen. Erstmal war ich etwas verblüfft, von Mircea gestern eine „Automatik-Mail“ erhalten zu haben, dass sie ab Mitte nächster Woche (!) unter ihrer südafrikanischen Mail-Adresse erreichbar ist. Wie bitte? Na, da hoffe ich doch mal, dass sie morgen tatsächlich zuhause ist, wenn Tom und ich kommen … :/

2 Gedanken zu “Sogar der Himmel weint …

  1. Hallo Andrea, das sind bestimmt gigantische Erlebnisse, mit denen du tagtäglich konfrontiert wirst.
    Du solltest deine Erfahrungen nacher vielleicht in einem Buch veröffentlichen. Du schreibst immer so viel, dass man es gar nicht mal eben zwischendurch lesen kann.

    Liebe Grüße, Petra

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  2. Hallo Petra, ich habe vor, meine Reiseerlebnisse als Buch zu veröffentlichen. Wie und in welchem Rahmen, dazu kann ich jetzt verständlicherweise noch nichts sagen. 😉
    Liebe Grüße!
    Andrea

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