Löwenkinder erziehen

Hunger01

Montag abend haben unsere knapp sieben Monate alte Löwenkinder das erste Mal Warzenschwein bekommen! Sie wussten gleich, wie sie mit den „Schinken“ umgehen mussten, wie sie häuten und nagen müssen. Ist ja schon eine Umstellung von den bisherigen Hühnern. Ihre Bäuche sahen am Dienstag morgen aus als ob sie Trommeln verschluckt hätten. Maxie sagte, sie sähen ziemlich „schwanger“ aus… 😀

Wie jedes Menschen- muss auch ein Löwenkind lernen, sich zu benehmen. Bislang war ich ja immer mit Maxie oder Jaco im Gehege. Vorgestern war ich dann das erste Mal alleine drin, um die Warzenschweinknochen herauszunehmen. Da merkte ich dann, wie viel Instinkt doch in diesen „Kleinkindern“ steckt. Sie kamen erstmal um mich zu begrüßen und sich an mir zu reiben. Dann begann Chuck mich ein wenig in den Arm zu zwicken. Stop, das geht gar nicht! *Patsch* mit der Handkante auf die Nase und ein scharfes „No, lass das!“ Dann begann Norris an meinen Schuhen zu nagen. Auch das ist nicht erlaubt! *Patsch*, und auch hier eine auf die Nase mit der entsprechenden Ansage. Auch sich an mir aufrichten geht nicht! Und dann sah ich aus dem Augenwinkel, dass sich einer der Brüder in meinen Rücken schlich, während mich der andere von vorne anschaute. Nix da! Sie dürfen es nicht schaffen, einen irgendwie umzuwerfen oder auf den Boden zu drücken. Niemals aus den Augen verlieren! Auch wenn die beiden Jungs noch klein sind: es ist die Jagdstrategie! Ein Löwe aus dem Rudel zeigt sich seelenruhig der Beute, und die anderen versuchen sich von hinten anzuschleichen. Nein, nein, niemals! Natürlich darf man sich jetzt nicht krampfhaft ängstlich an der Wand lang entlang schieben, sondern muss fest auf den Beinen stehen und sich den Respekt verdienen. Ich sagte immer: „Hey, ich sehe dich“ und machte die Löwenkontaktlaute nach (klingt ein bisschen wie „aou“, möglichst tief aus der Kehle). Tja, und so musste ich also ganz aufmerksam durchs Gehege gehen, immer wieder *Patsch* eine auf die Nase und „No!“ Sie haben es dann schon verstanden, dass Reiben o.k. ist, aber alles andere nicht. Sie müssen einfach die Grenzen respektieren und für mich als Pfleger heißt das Konsequenz und nochmal Konsequenz. Nichts durchgehen lassen, niemals! Denn sonst verlieren sie den Respekt… Heute war ich wieder drin, um den anderen Knochen herauszuholen, den ich vorgestern nicht gefunden hatte. Da habe ich ein Stück schwarzen Gummischlauch mitgenommen. Wenn es auf dem Boden lag, haben sich die Löwen verhalten, als ob es eine potentiell gefährliche Schlange sei. Und wenn ich es in der Hand hatte, waren sie vorsichtig. Ich denke, ich werde jetzt täglich reingehen (auch wenn wir nicht mehr täglich füttern), damit die Jungs nicht vergessen, dass ich kein Spielzeug und erst recht keine „Beute“ bin! 😉 Sie sind wirklich liebenswert, ich würde sie gerne so richtig durchknuddeln, aber wenn man ihre Pranken sieht, weiß man, dass das mal stattliche Löwenmänner werden. Irgendwann werden „wir“ dann auch nur noch zu zweit und später darf dann gar niemand mehr reingehen. Und es wird Zeit, dass sie ihr neues Gehege bekommen, weil sie aus dem jetzigen so langsam „rauswachsen“. 😉 Francois, der Bauunternehmer, meinte etwas von insgesamt einem halben Jahr Bauzeit, doch die Männer sind wirklich fix! Aber die Kolonne muss natürlich auch noch andere Baustellen bedienen, so ist beispielsweise der Bagger gestern abgezogen worden.

Francois hat unheimlich Ahnung von Gehegebau! Die „enclosures“ sind in der Bedienung einfach, aber sicher. Und das ist das Gute, weil man sich sehr schnell an die Abläufe gewöhnt. Innen-/Außenriegel an allen Türen,
funktionale Futterklappen, die von der Innenseite von selbst schließen, wenn man den Sperrriegel löst,
Schlösser für die Türen mit genügend (!) Ersatzschlüsseln,
und der Futter-/Zwischengang bei den Leos ist wirklich „Fort Knox“ mit Schiebern!
Die Sperrriegel bestehen aus dicken Schrauben, die entweder in etwas größere Muttern gesteckt werden (also nicht geschraubt, es muss ja auch schnell gehen), oder im Falle der Leos die Futterklappen zusätzlich sichern.
Auch sonst ist alles einfach, aber funktional. Die Handgriffe, an denen wir die Schieber hochziehen, sind einfach aus Röhrenstücken gemacht, die mit Stahlseilen über jeweils zwei Umlenkrollen eine gute Hebelwirkung erzielen. Das merkt man dann, wenn das Stahlseil mal über eine Rolle rüber“springt“. Dann kann man die Futterklappen einfach nicht öffnen und es kann nichts passieren! 😉

Letztlich ist man hier eh‘ „Schließer“, denn man verriegelt ja nicht nur die Gehege, sondern auch die Häuser! Viele Fenster sind vergittert, und die Haustüren sind Doppeltüren mit einer Metall- und einer „schönen“ Tür. Mein Schlafzimmer ist nicht vergittert, weil es auf ein kleines Gehege rausgeht, das derzeit unbewohnt ist. Aber welcher Dieb würde schon freiwillig in ein Raubtiergehege gehen, wenn er nicht weiß wer dort wohnt… 😀

Kennt sich einer meiner Leser mit dem südlichen Sternenhimmel aus? Ich sehe nämlich in der Nacht das Sternbild ORION! Kann das sein? Leider kenne ich ansonsten nur noch den Großen Wagen, und ich bin mir nicht sicher, ob ich den gesehen habe.

Für gestern war ein Gewittersturm angesagt! Daher haben die Bauarbeiter und auch die „eigenen“ Überstunden geschoben, um so viel in unseren neuen Gehegeanlagen (Karakale und Löwen) fertig zu bekommen. Am zukünftigen Löwengehege wurde heute eine Reihe „Elefantenpflanzen“ gesetzt, und Jaco, Richard, Maxie und zeitweise auch ich haben mitgeholfen. Die Elefantenpflanze ist etwas Besonderes! Sie sieht ein wenig aus wie unsere „Geldbäume“, also eine Sukkulente, hat aber kleinere Blätter und bildet große Sträucher. Die Blätter kann man (täglich vier Stück) essen, wenn man zuckerkrank ist, sie haben eine regulierende Wirkung auf die Bauchspeicheldrüse. Frauen können sie auch bei Menstruationsbeschwerden essen. Und sie ist Ersatznahrung, wenn man in der Wildnis keine Nahrung oder Flüssigkeit mehr hat! Sie enthält Wasser, Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente, und durch ihren säuerlichen Geschmack stillt sie sogar den Durst! Diese Pflanzen sind unglaublich robust. Um eine Hecke zu setzten, wie wir heute, taucht man einfach einen abgesägten Ast in Wasser und Lehm, und gräbt das holzige Stück im Boden ein. Die „Bäumchen“ wachsen wie Weiden extrem schnell an und bilden dann eine dichte Hecke. Natürlich haben wir auch gehofft, dass der erwartete Regen dann auch die Pflanzen besser „einwässert“. Elefantenpflanze heißt sie, weil sie sich vor zu starkem Abweiden schützt! Wenn Elefanten zuviel davon abgefressen haben, bildet der Busch ein leicht giftiges, eklig schmeckendes Sekret, das die Elefanten vom weiteren Fressen abhält! Das Sekret wird solange gebildet, bis sich die Pflanze erholt hat. Erstaunlich, wie „clever“ und vielseitig diese Pflanze ist!

Das mit dem Gewittersturm hat sich erledigt. Nach einem extrem schwülheißen Tag sollte es hier hier ursprünglich wettertechnisch wirklich zur Sache gehen, aber gegen 18 Uhr haben sich die Wolken verzogen.

Die Bräune kommt so langsam! 😉 Anfangs war ich übervorsichtig und habe dreimal täglich UV30 draufgeschmiert. So konnte sich die Haut aber gar nicht an die Sonne gewöhnen. Jetzt schmiere ich je nach Wetter nur noch ein-zweimal und das ist ideal. Trotzdem habe ich mir am Dienstag die Waden verbrannt. Morgens war es wolkig und dann kam ein unangemeldeter Bus, und ich bin ohne Sonnenschutz raus. Fehler! Aber es war nicht soo schlimm. Am Mittwoch hatte ich vorsichtshalber eine lange Hose an, habe die Haut gepflegt und gestern ging es schon wieder mit der Bermuda.

Gestern abend habe ich gesehen, wie einige unserer Arbeiter über mich geredet haben. Aber sie haben Xhosa gesprochen, also wusste ich nicht as sie gesagt haben. Also habe ich heute Eileen gefragt. Sie haben gesagt, ich würde hart arbeiten – und viel mehr als Maxie… 😀 Eigentlich ist ja ihre „feeding week“, aber sie hasst es, früh aufzustehen. Deshalb ist sie so froh, dass ich die Katzen füttere, sie ausschlafen kann und dann nur noch die Lämmer betreuen muss. Aber ich habe ihr schon gesagt, dass sie mir einen Gefallen schuldet. Einen Teil gibt sie mir dadurch zurück, in dem ich Touren für sie übernehmen kann. Ich bin dann zwar mit den Gästen unterwegs, darf aber auch das Trinkgeld einstecken! Die deutschsprachigen Gäste freuen sich über den „Extra-Service“ einer deutschen Tour und geben recht großzügige Trinkgelder (über deren Höhe ich lieber nicht mit Maxie und Jaco rede, um keinen Neid zu schüren) – oder gar keine. Es gibt durchus Leute, die ich auf ein „tip“ hinweisen muss. Zufällig haben sie gerade „kein Geld einstecken“ oder so. Dabei ist es hier wie in allen Touristenregionen so, dass die Guides unter anderem vom Trinkgeld leben. Gestern war eine deutsche Familie da, deren Tochter gerade in Jo-burg (Johannesburg) als Volunteer in einer Wildtierklinik arbeitet. Die haben zwar die Tour mit Maxie gemacht, aber danach haben wir uns unterhalten. Die Tochter ist noch in der Berufsfindung und war daher sehr interessiert an meiner Arbeit. Und sie haben noch sehr viele Infos von mir über das Leben hier bekommen. Anscheinnd haben sie gedacht, das war einfach nur eine nette Unterhaltung. Denn sie wollten dann einfach „so“ gehen. Da musste ich sie auf ein Trinkgeld hinweisen. Fällt mir zwar schwer, aber die haben mir doch reichlich Infos aus dem Kreuz geleiert… 🙂
Gestern hatte ich auch noch ein fränkisches Pärchen zu Gast – aus Erlangen! Das war lustig, habe ich doch acht Jahre in Erlangen gelebt, und konnte nun endlich mal wieder „a wengala frängisch raadschn“!

Ich habe ja immer noch Probleme, die Einheimischen auseinanderzuhalten. Da geht es mir so wie vielen meiner Landsleute, die zum Beispiel die Asiaten nicht in die verschiedenen Völker einsortieren können. Seltsamerweise habe ich damit keine Schwierigkeiten, Han-Chinesen, Vietnamesen und Japaner… meistens erkenne ich, woher sie stammen. Eileen ist übrigens keine Schwarze, sondern eine „Coloured“. Das sind die hier am Kap lebenden „Mischlinge“ aus Europäern, Schwarzen und Asiaten. Einer von Eileens Großvätern war Deutscher! Ich habe den Eindruck, dass die Coloured gewissermaßen zwischen Weißen und Schwarzen stehen. Sie sehen sich selbst als etwas Besseres als die Schwarzen. 😉

Gestern abend habe ich entdeckt, dass aus einem Schlauch Wasser leckt. Die Bauarbeiter hatten einen Abzweig von einer Leitung gelegt, aber anscheinend nicht gut befestigt. Leider habe ich das auch nicht zurechtrücken können. Da sah ich einen unserer Arbeiter, der sich am Tank Trinkwasser holte. Ich bat ihn, das geschwind zu flicken, schließlich verlieren wir dadurch ja eine Menge Leitungswasser. Muss doch nicht sein! Na ja, wie das hier so ist mit dem „geschwind“. Erstens war ja schon Feierabend. Außerdem sagte er, er kümmere sich und ging dann seiner Wege. Später habe ich Richard getroffen und ihm davon erzählt. Er hat dann noch den „Vorarbeiter“ Ace angerufen… aber passiert ist gestern nichts mehr. Heute vormittag haben sie es nun repariert. Weil morgens der Schlauch aber noch leckte, habe ich selber in der Werkstatt nach einem Stück Isolierband oder Panzertape gesucht. Meine Güte, was ein Chaos. Mit dem Aufräumen haben es die Arbeiter hier wirklich nicht. 😉

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